Stadtmeister mit Ambitionen

Schönstes Münchner Biergarten-Wetter, letztes Saisonspiel, Auf- und Abstiegskampf ohne Relevanz, das zeitgleich ausgetragene „Aufstiegs-Endspiel“ der MSC-Damen – es gab sicherlich schon Derbys mit mehr Brisanz. Hauptsächlich ging es beiden Mannschaften um einen gelungen Saison-Abschluss und die gute Laune bei den anschließenden Feierlichkeiten.

Dennoch merkte man beiden Mannschaften an, dass eine Niederlage ausgerechnet gegen den Stadtrivalen nicht zu den bevorzugten Erlebnissen eines münchner Hockeyspielers zählt: Die Gäste aus dem Münchner Norden begannen druckvoll und konnten sich die ersten Torchancen und kurzen Ecken erspielen, die jedoch nicht zwingend abgeschlossen wurden. Im Gegenzug scheiterte auch Rot-Weiß durch Max Kern und Jasper van Gerven am sicheren MSC-Keeper Max Schmitz. Spielerisch machten sich auf beiden Seiten die Ausfälle mehrere Stammkräfte (Greffenius, Schriever und Rommel fehlten dem Münchner Sportclub verletzungsbedingt, für Rot-Weiß konnten Scola, Böhmert und Graumann nicht auflaufen) bemerkbar: „Natürlich fehlen uns ohne Joost und Vic hinten ein bisschen die offensiven Verteidiger, aber es spricht für dieses Team, dass wir diese Ausfälle gemeinsam kompensieren können“, analysierte Teilzeit-Rechtsverteidiger Rainer Kraile die Personalsituation. Mit dem Führungstreffer der Gastgeber durch Nils Nesselmann in der zweiten Halbzeit wurde die Partie dann hektischer: Der Ex-Rot-Weiße David Negenborn verfehlte das Tor, kurz darauf musste Abwehrchef Bastian Gangnus das Spielfeld wegen einer gelben Karte für 10 Minuten verlassen. Nach einer Wiederholungsecke konnte Philip Schavoir im Nachschuss den Ausgleich für den Tabellenzweiten erzielen. Heftige Proteste der Rot-Weißen Eckenabwehr relativierte Torwart Neff später: „Im Nachhinein muss man sagen, dass das Tor regulär war. Ich und viele Mitspieler haben es in der Situation anders gesehen und wohl auch etwas emotional reagiert – es ist halt doch ein Derby, da fängt man sich kurz vor Schluss nicht so gerne den Ausgleich.“

Im anschließenden Penalty-Shootout behielten dann Kraile und Rabe die Nerven, während Duda an Neff scheiterte und zum nicht  unberechtigten Ärger des MSC beim zweiten Versuch der Gäste durch Florian Burkhard nicht auf Foul entschieden wurde.

Auch äußerst unschöne Szenen nach dem Abpfiff konnten die gute Stimmung letztlich nicht mehr trüben: „Noch mehr als über die zwei Derby-Siege freue ich mich über diese geile Rückrunde und einen Team-Spirit, den ich so bei Rot-Weiß überhaupt noch nicht erlebt habe. Wenn wir diese Stimmung und auch das spielerische Niveau über die ganze Saison halten können, dürfen wir unsere Anspruchshaltung auch verändern.“, zeigte sich ein erschöpfter Bastian Gangnus rundum zufrieden.

Später bewies die Mannschaft  auch nach dem Spielende selten gesehene Geschlossenheit und Ausdauer: Der zwölfstündige Feier-Marathon endete für nicht wenige bei Tageslicht.

Was bleibt, ist mit Sicherheit Stolz auf eine tolle Rückrunde und Vorfreude auf die nächste Saison, in der man auch an Spiele wie das zweite Derby anknüpfen will.