Glück in Grau
Der Himmel über München Sendling zeigte sich in seinem schönsten grau an diesem Samstagnachmittag. Dimmriges Licht, unterbrochen durch leichten Nieselregen – ein Tag, um ihn auf der Couch zu verbringen. Ähnliches dachten wohl auch die Spieler der 1. Herren: Eine fast greifbare Trägheit ließ Trainer Markus Felheim bereits schlimmes befürchten: „Mir gefällt die Vorbereitung überhaupt nicht, ihr müsst den Schalter jetzt umlegen!“, forderte der Coach noch Minuten vor Spielbeginn.
Doch die ersten 10 Spielminuten bestätigten jede schlimme Vorahnung: Die Gäste aus Hessen schnürten das Team im eigenen Viertel ein – Fehlpässe, Stoppfehler und Unkonzentriertheiten reihten sich bei den Münchnern aneinander. Doch währen dieser schlechte Beginn noch vor einem Jahr höchstwahrscheinlich in eine sichere Niederlage bedeutet hätte, zeigte sich gerade an diesem Tag, wie sehr sich die Mannschaft inzwischen charakterlich weiterentwickelt hat. Man überstand den Druck der Frankfurter unbeschadet und kämpfte sich Meter für Meter besser ins Spiel.
In der zweiten Halbzeit hatte sich das Blatt dann endgültig gewendet: Die Gäste sahen kaum Land noch und die Angreifer van Gerven, Kretschmar und Kern erspielten sich hochkarätige Chancen im Minutentakt. Doch auch die Tatsache, dass sich Glück im Abschluss nur schwer erkämpfen lässt, brachte die Spieler – wiederum im Unterschied zu vergangenen Zeiten – nicht aus dem Konzept. „Man muss ehrlich sagen, dass spielerisch heute nicht viel ging. Aber gerade deshalb eine riesen Kompliment an die ganze Mannschaft, dass wir auch so ein mieses Spiel dann zumindest ohne Gegentor beenden“, zeigte sich auch Torhüter Lorenz Neff beeindruckt. Im folgenden Penalty-Shootout entschieden dann die Keeper beider Teams über den Extra-Punkt: Der im Spiel gut aufgelegte Frankfurter Schlussmann Moritz Kentmann verursachte durch zwei Stockfouls an Michael Weber und Rainer Kraile zwei Straftore, während RW-Keeper Lorenz Neff in fast gewohnter Manier die Anläufe der wie stets ambitioniert in die Rückrunde gestarteten Hessen entschärfte. Und während Spieler und Betreuerstab die beiden wichtigen Punkte bejubelten, bekamen nur die Wenigsten mit, wie sich auch der graue Himmel begann, aufzuklären.
