Frühling, wo bist du?
Für die meisten Jugendmannschaften des HLC Rot-Weiß München mag der viele Schnee in diesen Tagen noch keine allzu großen Auswirkungen auf die Ausübung ihres Lieblingssports haben. Man befindet sich dort entweder noch in der Endphase der Hallensaison oder nutzt die weißen Massen fürs Skifahren – so wie unsere bayerischen Vizemeister von den B-Knaben, die an diesem Wochenende für ihre Saisonabschlussskifahrt in Tirol weilen. Doch im Erwachsenenbereich fragt man sich schon seit geraumer Zeit: Frühling, ja wo bist du? Noch immer ist der Kunstrasenplatz am Grasweg schneeweiß und unbespielbar. Ein Wetterumschwung ist nicht in Sicht. Besonders die Herren-Bundesligateams von Hockey und Lacrosse sind in den Vorbereitungsmöglichkeiten auf die Rückrunde der Saison 2009/2010 sehr eingeschränkt. Dabei hat man sich in beiden Lagern viel vorgenommen und schon mal intern für den frischen Wind gesorgt, der dem Wetter noch fehlt, um den Schnee zum Schmelzen zu bringe
Seit drei Wochen haben die Lacrosse-Herren mit Joe Kenworthy einen neuen Coach aus dem Mutterland des Lacrossesports USA. Man erhofft sich, dass er die letzten Prozent aus dem Team herauskitzeln kann, damit im Juni das große Ziel vom Deutschen Meistertitel geschafft werden kann. Der neue Coach mit der imposanten Figur sorgte bereits beim ersten Training für eine deutlich erkennbare Aufbruchsstimmung: Gut 50 (!) Spieler waren anwesend und lauschten den englischsprachigen Anweisungen. Doch gerade, als es richtig los gehen konnte, machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Schon das zweite Training beinhaltete nur die Theorie. Die Situation ist besonders deswegen so unbefriedigend, weil bereits in einer Woche der erste Spieltag der Bundesliga Süd in Heidelberg anstehen soll.
Die Hockeyherren haben noch ein bisschen länger Zeit bis zum Saisonstart, doch auch hier ist man über die Wetterlage nicht glücklich. Noch kein einziges Mal konnte das Team von Markus Felheim ein Stocktraining durchführen. Seit 1. Februar steht neben den wöchentlichen Krafteinheiten vor allem Ausdauertraining auf dem Programm. „Ich kann den Westpark schon nicht mehr sehen“, murrt Mittelfeldspieler Quirin Malchercyk nach dem x-ten 60-minütigen Lauf am vergangenen Donnerstag. „Wir sind es ja langsam schon gewohnt, dass wir hier im Süden einen klaren Nachteil in dieser Jahreszeit haben,“ gibt sich Coach Felheim fatalistisch und fügt dennoch hinzu: „Natürlich versuchen wir umso mehr, die notwendige Fitnessgrundlagen zu legen. Da hat uns in der Vergangenheit oft etwas gefehlt. Zumindest bei denjenigen, die seit Anfang Februar voll mitziehen, wird das Wirkung zeigen.“ Momentan steht das Team von Felheim mit 9 Punkten auf dem achten Tabellenplatz. Der Ligaverbleib ist das erklärte Ziel. Damit das besser klappt, als zuletzt in der Hallensaison, sollen ebenfalls einige frische Kräfte helfen. Dem seit langem bekannten Abgang von Torjäger Michi Körper zum Harvestehuder THC stehen einige positive Transfermeldungen entgegen. Von Nord-Zweitligist Hannover 78 wechselt Mittelfeldspieler Nils Nesselmann an den Grasweg; von Südliga-Spitzenreiter BW Berlin kommt Stürmer Jasper van Gerven; vom Sendlinger Nachbarverein Wacker München kehrt außerdem mit Andreas Kretzschmar ein altbekanntes Gesicht zurück zu seinem Heimatverein. Zusätzlich werden auch die in der Hallensaison pausierenden Victor Graumann und Joost Böhmert wieder zur Verfügung stehen. Auch bei den lange verletzten Nicolai Dombrowski, Matthias Schießl und Tariq Siddiqui ist ein Comeback in Aussicht. Und sie alle sind, so wie der Rest des Teams, begierig endlich den Frühling zu begrüßen und wieder einen Stock in die Hand nehmen zu können.