Drei Punkte aus der Hauptstadt
Mit dem in der Vorrunde noch drohenden Abstiegskampf hatte man nach zuletzt vier Heimsiegen in Folge und 13 aus 18 möglichen Punkten in der Rückrunde praktisch nichts mehr zu tun. Die letzten theoretischen Zweifel am Bundesligaverbleib der Rot-Weißen wurden dann bereits am Samstagmittag durch die 8:3-Niederlage von Rhedyt gegen den NHTC in der Abstiegsrunde der 1. Bundesliga ausgeräumt. Denn bei der Tabellenkonstellation in der 2. Bundesliga hätte es nur im Falle von zwei Süd-Absteigern aus der 1. Bundesliga bei dann drei Absteigern aus der zweiten Liga noch mal eng werden können für die Hockeyspieler aus Sendling. So aber waren die Auswärtsspiele des Tabellenfünften in Berlin nur noch für die Galerie, und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Beim 5:0-Auswärtssieg gegen die traditionell unangenehm zu spielenden Herren vom Tus Lichterfelde zeigten die Rot-Weiß-Herren viele Attribute, die sie dieses Frühjahr so stark machen und schossen dabei fünf wunderschöne Tore. Den Auftakt machte dabei der wiedererstarkte Michi Weber, der die Kugel volley und mit Ur-Gewalt ins obere Dreieck drosch, Rainer Kraile krönte ein Solo mit einer sehenswerten hohen Rückhand zum frühen 2:0. “Der Schlüssel zum Sieg war sicherlich, dass wir die Druckphasen von Tusli vor und nach der Halbzeit unbeschadet überstanden haben”, sagt Kapitän Paul Rabe und hebt dabei insbesondere die Abwehrleistung von Routinier Bastian Gangnus und TW Neff hervor, der sich einmal mehr als sicherer Rückhalt erwies. Am heutigen Tage hatten die Rot-Weißen stets die bessere Antwort. In die erste Druckphase von TusLi setze Michi Weber per Ecke das 3:0, die zweite Druckperiode der Gastgeber beendete Jasper van Gerven mit seinem 9. Rückrundentor zum 4:0. Den krönenden Abschluss machte der an diesem Tage überragende Mittelfeldmotor Kraile, als er einen Linksangriff wieder sehenswert mit einem Rückhandschuss abschloss. “Danach hätte sogar noch das ein oder andere Tor mehr fallen können, aber natürlich bin ich heute sehr zufrieden mit unserer Leistung”, zieht Trainer Felheim Bilanz.
Mit der Leistung seiner Truppe und dem Ergebnis war der Coach am Sonntag hingegen gar nicht zufrieden: “Ich bin anscheinend der Einzige, der hier emotional ist,” fauchte er in einer Auszeit gegen Mitte der zweiten Halbzeit des Sonntagsspiel bei BW Berlin seine Spieler an und forderte mehr Einsatz. Doch der 3:1-Rückstand, nach zwischenzeitliche 1:0-Führung beim feststehenden Aufsteiger konnte nicht mehr wettgemacht werden. “Ich bin zugegeben etwas enttäuscht, denn hier wäre heute wirklich was drin gewesen, doch einige Spieler haben sich ob der äußeren Umstände scheinbar zu sehr beeinflussen lassen”, sagte der Coach nach dem Spiel. Mit den äußeren Umständen meinte er nicht nur die Tatsache, dass nach einem heftigen Wolkenbruch der Gastgeber von BW alles daran setzte, die aus ihrer Sicht “unbedeutende” Partie nicht austragen zu müssen, sondern auch, dass einige seiner Spieler, nachdem man am Samstag den Klassenerhalt sicher in der Tasche hatte, beim freien Abend in der Hauptstadt über die Stränge schlugen. ”Es war teilweise ein offener Schlagabtausch und für die Zuschauer sicher unterhaltsam, aber wenn man gegen eine so spielstarke Mannschaft wie Blau-Weiß punkten will, darf man sie eben nicht ins Spiel kommen lassen,” äußerte sich Kapitän Rabe sachlich und blickte schon wieder nach vorne: “Wir haben noch ein Spiel. Und es ist sicher gut, dass es nicht irgendeines ist. Mit dem zweiten Derbysieg in dieser Saison können wir aus der gute eine sehr gute Rückrunde machen. Das ist unser Ziel!” Gefeiert soll dann auch werden, aber nach dem Spiel und nicht vor dem Spiel.