Das Spiel zum Spektakel

Am Freitagabend verloren die 1. Herren das Derby gegen den Lokalrivalen Münchner SC 2:4 (1:2) und haben nun fünf Endspiele gegen den Abstieg vor sich.

„Noch ist erst die Hinrunde gespielt, noch nichts verloren“, entgegnete Trainer Markus Felheim trotzig nach dem Spiel einer Münchner Lokaljournalistin, die schon in der Vergangenheit dem HLC Rot-Weiß mehrmals und bisher stets zu Unrecht den Abstieg prophezeit hatte. Um etwas Ehrenrettung für die Reporterin zu betreiben: Es war in jüngster Vergangenheit auch oft recht knapp. Und auch in dieser Hallensaison – das steht spätestens nach der Niederlage vom Freitagabend fest – wird es für die 1. Herren eine schwierige Aufgabe, den Bundesligaverbleib zu sichern. Doch aufgeben will man sich beim Club aus Sendling noch lange nicht. Das lehrt nicht zuletzt die Erfahrung aus den letzten Jahren.

Gut 700 Münchner Fans pilgerten am Freitagabend nach Allach und machten aus dem Spiel ein Spektakel. „Ich glaube, dass so viele Zuschauer schon ganz lange nicht mehr da waren,“ resümiert Rot-Weiß-Routinier Renaldo Scola über die Zuschauerzahlen seiner Derbyhistorie. „Freitagabend ist in dieser Hinsicht ein guter Termin, weil keine anderen Münchner Vereine spielen. Vielleicht sollten wir das fürs Feld auch mal ausprobieren.“ Wenig spektakulär begann allerdings zunächst die Partie, der man in der Anfangsphase anmerkte, wie viel auf dem Spiel stand. „Klar waren beide Teams zunächst auf Fehlerminimierung aus. Allerdings finde ich, dass wir in der ersten Halbzeit die etwas bessere Mannschaft waren, viele Zweikämpfe im Mittelfeld gewonnen haben und defensiv gut standen. Nur waren wir da schon bei den Gegenstößen nach vorne zu harmlos“, sagte Rot-Weiß-Trainer Felheim im Rückblick. Ex-MSCer Quirin Malchercyk, der später nach einem groben und ungeahndeten Foul von Severin Weigand verletzungsbedingt ausfiel, hatte Rot-Weiß zunächst mit 1:0 in Führung geschossen. Nachdem Felix Greffenius einen höchst umstrittenen 7m an den Pfosten geschossen hatten, sorgte Felix Knoblauch mit der zweiten kurzen Ecke für den Ausgleich. Wenig später schaltete Philip Schavoir im Kreis am schnellsten und schloss einen Abstauber zur 2:1-Führung für den MSC ab.

Die zweite Halbzeit war fast eine Kopie der ersten. Rot-Weiß drängte auf den Ausgleich, ohne aber die ganz zwingenden Aktionen zu haben. Als Felix Becker endlich das 2:2 erzielte, antwortete Sören Michel fast im Gegenzug mit der erneuten Führung. „Das war wohl der Knackpunkt“, beurteilte Kapitän Rainer Kraile die Situation in der Mitte der zweiten Halbzeit, dem ein Fehlpass im Aufbauspiel vorausgegangen war. “Wir waren sicher nach vorne nicht gefährlich genug. Mit zwei Treffern kann man nicht gewinnen. Wir haben uns aber trotzdem diesen Ausgleich erkämpft. Der postwendende Gegentreffer war deswegen doppelt bitter.“ Von diesem Schlag erholten sich die Gastgeber nicht mehr. MSC hatte in der Folgezeit die besseren Möglichkeiten, die Führung auszubauen. Felix Knoblauch verwandelte denn auch den zweiten, diesmal regulären 7m zum 4:2. Als kurz darauf Greffenius eine Ecke von Scola aus dem Torwinkeln holte, war das Spiel endgültig zu Ungunsten der Rot-Weißen entschieden. „Wir müssen das jetzt schnell abhaken“, sagte Abwehrspieler Paul Rabe – der 30 Sekunden vor Schluss unglücklich am Gesicht verletzt wurde und ins Krankenhaus musste – nach dem Schlusspfiff mit blutverschmierten Gesicht kämpferisch: „Ich glaube, dass wir gegen andere Mannschaften noch punkten können und dann hoffe ich, dass wir im Rückspiel Revanche nehmen können und den tollen Fans etwas zurückgeben können!“