0-Punkte-Wochenende

„Wir haben hier zum ersten Mal in drei Jahren verloren. Und es hätte sicher nicht sein müssen. Denn ich bin eigentlich sehr zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft gewesen. Es war bitter,“ zeigte sich Trainer Markus Felheim am Samstagabend sehr enttäuscht über die 6:5-Niederlage beim Tabellenführer Nürnberger HTC. Dabei hatte alles sehr gut begonnen. Bereits nach 30 Sekunden narrte Kapitän Kraile in unnachahmlicher Art diverse Nationalspieler des NHTC und schoss zur Führung ein. In einer danach lange ausgeglichenen, munteren und von den unaufgeregten Schiedsrichtern Luprich und Lohrisch (trotz Aberkennung eines RW-Tors) fair geführten Partie nutzen die Nürnberger eine Viertelstunde vor Ende einen Stellungsfehler in der Raumdeckung der Münchner clever, um zum ersten Mal auf zwei Tore davonzuziehen. Danach erspielte sich der Gast eine Reihe von teilweise hochkarätigen Chancen und hätte dem Spiel durchaus noch einmal eine Wende geben können. Nach dem 5:6-Anschluss durch Felix Becker hatte kurz vor Schluss Renaldo Scola, der bereits letzte Woche für den Last-Minute-Ausgleich gesorgt hatte, noch die große Chance, als er alleine vor Torwart König auftauchte.

Der Rüsselsheimer RK, amtierender Hallen-Europacupsieger, zeigte sich am Sonntag gegen müde wirkende Rot-Weiße energischer und wacher. Bereits nach 15 Minuten musste die im bisherigen Saisonverlauf meist sichere Rot-Weiß-Defensive bereits viermal den Ball aus dem Netz holen. Der RRK zeigte sich top-motiviert und körperlich überlegen. „Dieses Eins-gegen-Eins spielt in Deutschland wohl keine Mannschaft so gut wie Rüsselsheim“, zollte Trainer Felheim dem Gegner Respekt. „Ich finde, dass es manchmal sehr ruppig ist, das sollte dann weggepfiffen werden, aber im Großen und Ganzen, haben die schon sehr gute ,Bretter‘. Das war gerade für die jungen Spieler von uns lehrreich.“

Die beiden Schiedsrichter Hoffmeister und Neideck ließen dabei in vielen strittigen Situation großzügig weiterlaufen, nicht nur beim Körpereinsatz, sondern auch bei zwei vermeintlich hohen Bällen, die zu zwei frühen Gegentore führten. Bei den bei dieser Regelinterpretation zwangsläufigen Beschwerden waren sie hingegen rigoros. So sahen Paul Rabe und Trainer Felheim schon früh gelbe Karten wegen Meckerns. „Im Rückblick betrachtet waren sie sogar konsequent in ihrer Regelauslegung. Da aber bisher so noch niemand gepfiffen hat, darf die ein oder andere (nicht bösartige) Beschwerde dann eigentlich nicht überraschen. Ich hätte mir da in dieser Phase etwas mehr Kommunikationsfähigkeit gewünscht“, äußerte sich Routinier Scola über die Schiedsrichterleistung diplomatisch – wohlwissend, dass die in der zweiten Halbzeit kein Thema mehr war. Denn spätestens nach Tobi Wuttkes 6:1 per verwandeltem 7m, das mitten in eine Druckphase der Rot-Weißen fiel, war das Spiel endgültig entschieden und das in der Vergangenheit oft spannende Duell verkam für alle Beteiligten – Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer – zu einem Sonntagnachmittagsgeplänkel, dass die Rot-Weißen schnell vergessen müssen.